Zeitzeugenbericht aus der Eisenbahnersiedlung

Eine Chronik der Plattenhaus-Siedlung am Jaarsmoor 1944-1962

Es liegt nun schon 20 Jahre zurück, dass Antje und Karl-Heinz Schult in einer kleinen Auflage die erste Fassung der Erinnerungen aus ihrer Jugend in der Plattenhaussiedlung am Jaarsmoor veröffentlichten. Damit haben sie ein wichtiges Stück Erinnerungskultur in Eidelstedt begründet. Die Gruppe der ehemaligen „Plattenhaus-Kinder“ hat sich seitdem regelmäßig einmal im Jahr getroffen, zuerst in Thesdorfs Eck, in den letzen Jahren im Sportlerheim des SVE am Furtweg.

Auf dem Gelände der früheren Siedlung  sind große Wohnblocks entstanden, kleine Grünanlagen, ein Sportplatz und auch zwei Schulen, zuletzt ein Bau der Berufsschule B24 an der Reichsbahnstraße, schon 1972 die Schule Niekampsweg, die seit einigen Jahren die Unterstufe – Klasse 5 – 7 – der Stadtteilschule Eidelstedts beherbergt.

Das Heimatmuseum will dafür sorgen, dass die Geschichten aus der Entwicklung des Stadtteils nicht verloren gehen, sondern weiter erzählt werden. Gerade wenn es um die Zeit des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkrieges  und der Nachkriegs­zeit geht, die uns helfen, unsere heutige Situation, unsere Probleme in einem anderen Zusammenhang zu sehen, vielleicht in die richtige Perspektive zu rücken, ist es sinnvoll die Erinnerung daran zu pflegen.

Karl-Heinz und Antje Schult haben die neue Ausgabe mit neuen Fotos und Grafiken in guter Qualität versehen, den Text schön gestaltet und so ein Buch geschaffen, welches mit persönlichen Geschichten, Bildern und vielen Dokumenten die Erin­nerungen lebendig macht und hoffentlich zum Nachfragen und zur Beschäftigung damit anregt. So können mit diesem Buch die „… Kinder vom Streckenwärterweg“,  heute meist Großeltern ihre Erinnerungen an die Kinder und Enkel weitergeben, Eidelstedter mit Interesse  für die Lokalgeschichte ihre Nachbarschaft erkunden.

Für die Lehrer der umliegenden Schulen könnte der Band eine Fundgrube für Projektideen zur Arbeit mit ihren Schüler*innen werden, die auf diesem Weg erfahren, wie ihr Schulgelände früher mal aussah und welche Auswirkungen die Politik der Nationalsozialisten und der von ihnen verursachte Krieg auf das Leben der Menschen hatte.

Auch in unserer Welt werden Kriege geführt, unter denen die Zivilbevölkerung leidet, Menschen ihre Wohnung und ihre Heimat verlieren, auch in Eidelstedt leben Familien, die auf der Flucht vor diesen Verhältnissen gekommen sind und sich eine neue Existenz aufbauen müssen. Vielen Schülern mit Migrationshintergrund werden die Familienschicksale, die beengten einfachen Wohnverhältnisse bekannt vorkommen.

Möge das Buch zum besseren Verständnis der Geschichte unseres Stadtteils und der Welt einen kleinen Beitrag leisten.

Im November 2020

Das Buch ist erhältlich in der Buchhandlung Heymann ab dem 25. November
Preis: 15 €
Wer mehrere Exemplare erwerben will, kann sie auch gerne im Heimatmuseum bestellen.